Elk – Lyck

Geschichte Chronologie

   1398 Errichtung einer Festung auf einer Insel im Lycksee - poln. Elckie durch den Deutschen Orden unter dem Komtur von Balga, Ulrich von Jungingen, der später als Hochmeister in der Tannenbergschlacht fiel. Zunächst Holz-Erde-Konstruktion, ab 1408 massiv in Stein aufgeführt
dem Masowier Bartholomeus Brantomil wurde der Auftrag erteilt, neben der Burg eine Siedlung zu begründen und er erhielt zu diesem Zweck 48 Hufen verschrieben. Die Ansiedlung konnte sich lange nicht entfalten, weil die ständigen Übergriffe der Litauer und Polen alle möglichen Neusiedler abschreckten. Erst 1425 erhielt der Ort eine Handfeste als Dorf vom Hochmeister Paul von Rußdorf, die 1445 zu Rastenburg bestätigt wurde. Demzufolge findet im Jahr 2000 die 575-Jahr-Feier statt.

     Die 1435 bestehende Absicht, die neue Siedlung zur Stadt zu erheben, scheiterte daran, daß ein Kirchenbau fehlte und daß das Marktrecht nicht erteilt worden war. So blieb Lyck noch lange Dorf. Bartholomeus Brantomil warb mit zunehmendem Erfolg masowische Siedler an, denn der Zustrom aus dem Westen war verebbt und die Binnenwanderung war inzwischen unerheblich geworden
1454   gleich beim Beginn des Städtekrieges wurde Lyck niedergebrannt
1656 wurde Lyck von Polen und Tataren niedergebrannt
1669 verlieh der Große Kurfürst endlich das Stadtprivileg.
1688 großer Stadtbrand

     Einen Einbruch in der weiteren Entwicklung der Stadt brachte die Große Pest 1710, die 1.300 der 2.000 Einwohner dahinraffte
1740 Verlegung einer Garnison nach Lyck
1868 Anbindung an das Eisenbahnnetz
Die Einstellung des Grenzverkehrs mit Polen nach dem 1. Weltkrieg traf Lyck sehr stark. Vielleicht als Folge der damit verbundenen Depression versammelten die Nationalsozialisten in Lyck in den 30er Jahren ein enormes Stimmenpotential.
Der 2. Weltkrieg brachte Zerstörungen erst nach dessen Beendigung, im August 1945, als viele Gebäude insbesondere an der Hauptstraße abbrannten.
     Heute ist Lyck der wirtschaftliche Mittelpunkt Ostmasurens

     Lyck als Bildungshauptstadt Masurens

Eine herausragende kulturelle Rolle spielte Lyck zur Zeit der Reformation. Weil im Zuge der geistlichen Umwälzung viele katholische Kirchenvertreter auswanderten, brauchte Herzog Albrecht für Masuren evangelische Geistliche, die die polnisch-masurische Sprache beherrschten und rief deshalb polnische Protestanten ins Land. Unter ihnen befand sich der Pfarrer Johann Maletius aus einem adligen Geschlecht bei Krakau. Herzog Albrecht schenkte ihm das Waldgut Regelnitzen nahe Lyck mit 5 Hufen und 20 Morgen und Maletius gründete hier die nach Königsberg und Marienburg dritte Druckerei in Preußen. Zahlreiche Lehr- und Erbauungsschriften sowie eine Bibel in polnischer Sprache wurden hier gedruckt und nicht nur in Preußen, sondern auch nach Polen hinein verkauft.

     Johann Maletius wurde 1537 zum Erzpriester mit Zuständigkeit für die Hauptämter Lyck, Oletzko, Johannisburg und Rhein ernannt. Sein Sohn Hieronymus folgte ihm in diesem Amt und war außerdem der erste Rektor der neuen Lateinschule. Die entstand, als Herzog Albrecht 1546, zwei Jahre nach Gründung der Königsberger Universität, die wahrscheinlich schon 1472 gegründete Kirchenschule zur Lateinschule ausbaute und damit den Grundstein für die Entwicklung Lycks zum geistigen Zentrum Masurens legte. Diese Lateinschule war in erster Linie für polnisch bzw. masurisch spechende Schüler gedacht. Daneben gab es die Lateinschule für deutsche Schüler in Saalfeld und die für litauische Schüler in Tilsit. Diese Bildungsstätten hatten die Aufgabe, die lernbefähigten Knaben auf das Studium von Theologie, Medizin und Jura in Königsberg vorzubereiten und die Schüler kamen sowohl aus dem Inland wie aus dem Ausland.

     Die Lateinschule in Lyck entwickelte sich 1587 zur Provinzial- und 1599 zur Fürstenschule. Aus dieser ging 1813 das Gymnasium hervor. Der Beginn der Provinzialschule 1587 galt später als Gründungsdatum für das Gymnasium, das zuletzt den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Schule trug.
1799 begründete man in Lyck das erste staatliche Lehrerseminar Ostpreußens, das mit der Ausbildung von 20 Seminaristen begann. Diese Anstalt florierte allerdings nicht und ging 1807 wieder ein. Erst 1902 kam es zu einer Neuauflage, der dann 11. der Provinz. Diese stellte mit allen anderen Lehrerseminaren des Deutschen Reichs 1926 ihre Tätigkeit ein, weil dann die akademische Ausbildung der Lehrer durchgesetzt worden war.

     Lyck als Garnisons-Standort

     Für die Gemeinde bedeutete es einen Aufschwung, als 1740 eine ständige Garnison nach Lyck verlegt wurde, dabei 1742 zunächst eine große Abteilung der “Schwarzen Husaren”.
Der Garnison in Lyck stand von 1788 - 1795 General Johann Heinrich v. Günther vor, 1736 als Sohn eines bürgerlichen Feldpredigers  in Neuruppin geboren und von Fontane ausführlich dargestellt. Er verlegte 1788 das Hauptquartier seines Bosniaken-Regiments von Goldap nach Lyck und es gelang ihm mit seiner vorzüglichen Truppe, den Aufstand der Polen 1794 unter Kosciuszko, der sog. “Conföderierten”, gegen die Aufteilung Polens  niederzuschlagen. Er wurde daraufhin Chef aller links der Weichsel stationierten preußischen Truppen und avancierte 1795 zum Gouverneur der nach der 3. polnischen Teilung neuen, bis in die Gegend von Warschau reichenden Gebiete. Er siedelte deshalb um nach Tykoczin, wo er 1803 starb. Sein Leichnam wurde unter seinem Denkmal in der Hauptstraße von Lyck beigesetzt, das aber nicht mehr existiert. Der spätere General Yorck von Wartenburg war Offizier im Korps von Günther und der spätere Kriegsminister v. Boyen sein Adjutant.
Im Jahr 1892 war Erich Ludendorff in Lyck als Premier-Leutnant stationiert.
Der spätere Verteidiger Königsbergs im 2. Weltkrieg, General Lasch, Bruder der Lycker Bürgermeisters Lasch, gehörte nach 1918 einem Freicorps an, das in Lyck beheimatet war.

     Lyck als Eisenbahn-Knotenpunkt

     Das Teilstück Rastenburg - Lyck der Ostpreußischen Südbahn Gesellschaft, die von Bethel Henry Strousberg ins Leben gerufen worden war, feierte 1868 ihre Eröffnung. Die Verlängerung nach Prostken erfolgte 1871 und nach Bialystok mit Anschluß an die Bahnverbindung Berlin - Warschau - Moskau einige Jahre später. Im Zeitraum von 1879 - 1885 folgten die Anbindungen nach Insterburg, Johannisburg und Allenstein, wenige Jahre vor dem 1. Weltkrieg nach Arys. Somit entwickelte sich Lyck zu einem herausragenden Eisenbahnknotenpunkt. Für den Nahverkehr eröffnete die “Lycker Kleinbahn AG” 1914 die Strecke nach Borszymmen/Borschimmen, Kallinowen/Dreimühlen und Thurowen/Auersberg mit Abzweig nach Sawadden.Prominenz·In Lyck wurde am 17. 3. 1926 der Schriftsteller Siegfried Lenz geboren. Er wuchs in Masuren auf, studierte nach der Flucht in Hamburg Philosophie, Literaturgeschichte und Anglistik, wurde 1950 Feuilletonredakteur der Tageszeitung “Die Welt”, arbeitete auch für den Rundfunk. In dieser Zeit wurde Thomas Mann auf das Nachkriegs-Talent aufmerksam. Sehr bald machte sich Siegfried Lenz als freier Schriftsteller in Hamburg selbständig und schrieb viele Romane, Erzählungen, Essays, Hörspiele und Weiteres. Mit 25 Jahren veröffentlichte er 1951 seinen ersten Roman “Es waren Habichte in der Luft”. Weitere Werke: die Romane “Die Deutschstunde” (1968) und “Das Heimatmuseum” (1978, verfilmt 1988), die  Erzählungen  “So zärtlich war Suleyken” (1955), “Der Mann im Strom” (1957, mit Hans Albers verfilmt), “Das Feuerschiff” (1960), “Einstein überquert die Elbe bei Hamburg” (1975), “Der Verlust” (1981), “Die Auflehnung” (1994), die Essays “Elfenbeinturm und Barrikade” (1983). Neben der Darstellung der Menschen unserer Zeit in ihren Verstrickungen, ihrer Verantwortung und Schuld und ihrer Bewährung hat er aber vor allem auch den Menschen im alten Masuren mit seinen “Masurischen Geschichten” ein liebevolles Andenken bewahrt. 1988 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

     Im Forsthaus Schuiken bei Goldap geboren, aber in Sybba bei Lyck aufgewachsen sind die einst sehr bekannten Schriftsteller Fritz und Richard Skowronnek.

     Fritz Skowronnek (1858 - 1939) war Mittelschullehrer und Kreisschulinspektor, ab 1888 Journalist in Berlin und dann freier Schriftsteller. Seine beliebten Jagderzählungen sammelte er in dem Band “Masurenblut” (1904). Weiterer Roman aus Masuren: “Der graue Stein”. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Oranienburg bei Berlin.
Richard Skowronnek (1862 - 1932) war Journalist und Feuilletonredakteur der “Frankfurter Zeitung” (1887 - 1892), dann Dramaturg am Kgl. Schauspielhaus und Parlamentsberichterstatter in Berlin und Schriftsteller. Er schrieb eine Fülle von Romanen, Erzählungen, Lustspielen und auch dramatischen Werken, z. T. recht volkstümlich. Das meiste kennt man heute nicht mehr, vielleicht noch “Das Bataillon Sporck” (1912); “Muttererde” (1916), “Heimat, Heimat” (1927).                                      

     Stadtbesichtigung         

     Herz-Jesu-Kirche
Noch auf Veranlassung des evangelischen Bischofs von Pomesanien, Paul Speratus, wurde um 1550 die erste Kirche in Lyck gebaut. Sie brannte zunächst 1651, der Nachfolgebau bei der Eroberung durch die Tataren 1656 ab. Erst 1688 folgte ein neues Kirchengebäude. Das war 1837 derartig baufällig, daß es abgetragen werden mußte. Eine nunmehr neogotische Backsteinkirche, noch von der Schinkelschule geprägt,  entstand 1847 - 1850. Diese zerstörten die Russen 1914 im 1. Weltkrieg samt der Innenausstattung. Den letzten Bau errichtete man in sehr ähnlicher Gestalt 1920 bis 1925 unter Verwendung von älterem Mauerwerk und dieser kam recht gut über den 2. Weltkrieg. Er wurde 1956 gründlich renoviert.
In der Anfangszeit der Kirche wurde nur polnisch gepredigt. Erst ab 1584 fand eine Predigt auf Betreiben von Bischof Johannes Wigand auf deutsch statt, dieses jedoch bis ins 18. Jh. hinein nicht regelmäßig. Nach 1815 regelte man das Sprachproblem dergestalt, daß erst in deutscher und anschließend in masurischer Sprache gepredigt wurde.
Von dem Kriegerdenkmal vor der Kirche blieb der Sockel, auf den man eine Statue des Erlösers gestellt hat.
     Die evangelischen Gläubigen benutzen heute die Baptistenkapelle in der ehemaligen SteinstraßeSt. Adalbert Nach der Reformation war die Gegend um Lyck konsequent evangelisch. Erst seit ca. 1800 gab es einige Katholiken, zunächst vermutlich Angehörige der Garnison, später auch Ermländer, die sich hier wegen der niedrigen Bodenpreise um Lyck ansiedelten. Im Jahr 1845 zählte man im gesamten Kreis Lyck rd. 100 Katholiken. Für diese wurde 1853 eine dem hl. Adalbert geweihte Kirche gebaut. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Katholiken immer mehr an, sodaß ein größeres Kirchengebäude erforderlich wurde und  dieses errichtete man 1893 - 1895 im neogotischen Stil der Zeit. 
Ausstattung: neben dem neogotischen Mobiliar gibt es einige Holzplastiken aus dem 16. und 17. Jh., die ein Dekan Fox nach dem 1. Weltkrieg auf Urlaubsreisen gesammelt hatte,  restaurieren und in der Kirche aufstellen ließ. Dekan Fox floh nicht, sondern blieb im Land und starb 1953 in Bialystok. Sein Marmorgedenkstein steht auf dem alten Friedhof in Stare Juchy - Alt Jucha/Fließdorf.
die Heiligen Laurentius und Adalbert aus Göttkendorf, entstanden um 1500 aus Lindenholz,
der hl. Andreas und der Evangelist Matthäus von ca. 1680,
Teile einer Kreuzigungsgruppe um 1700 - möglicherweise aus Treuburg –
die Figuren zweier Bischöfe vom Ende des 17. Jhs. aus Göttkendorf.
Die Kirche wurde 1992 zur Kathedrale erhoben.


       Ordensburg

     Die Ende des 14. Jhs. auf einer Insel im Lycksee gegründete und um 1408 in Stein aufgeführte Festungsanlage mit Wohn- und Repräsentationsräumen im Südflügel und einem nördlichen Wirtschaftsgebäude wurde gleich zu Beginn des Städtekrieges 1454 niedergebrannt, aber unter Hochmeister Friedrich von Meißen 1497 instand gesetzt und stark befestigt sowie in der 1. Hälfte des 16. Jhs. weiter ausgebaut.
Seit der Mitte des 18. Jhs. verfiel die Burg jedoch und wurde großenteils abgetragen. Unter Beibehaltung der Grundmauern und teilweise der Außenmauern des Hauptflügels errichtete man an ihrer Stelle 1888 ein Gefängnis, das auch heute noch in dieser Weise genutzt wird. Die alte Holzbrücke, die auf die Burginsel führte, wurde in der Mitte des 19. Jhs. durch einen Damm und die Giseviusbrücke ersetzt.GymnasienDie alte Lateinschule erhielt vor 1579 ein neues Gebäude. Dieses ging zusammen mit vielen Gebäuden in der Stadt beim Tatarenüberfall 1656 in Flammen auf, wurde aber bis 1673 wiederaufgebaut. Nunmehr vernichtete eine Feuersbrunst 1688 große Teile von Lyck samt Schule. Auf ein neues Haus mußte man bis 1707 warten. Nach der Umwandlung in ein Gymnasium erweiterte man die Schule 1820 - 1822. Als auch diese Räume nicht mehr ausreichten, errichtete man für das Gymnasium hinter der evangelischen Kirche 1857 - 1859 ein  neues Gebäude. Als das 1908 gebaute imposante Haus des Lehrerseminars zum Ende der 1920er Jahre überflüssig geworden war, zog 1932 das Gymnasium dort ein und die alten Schulgebäude hinter der Kirche dienten hinfort der Staatsanwaltschaft, im 2. Weltkrieg als Lazarett. Heute findet hier wieder Schule statt.GeschäftszentrumDie parallel zum See verlaufende lange Straße, einst Kaiser-Wilhelm-Straße, bildet heute wie damals das Stadtzentrum mit regelmäßigen Markttagen, an denen die Bauern der Umgebung und die Fischer ihre Produkte feilboten. Unmittelbar vor der Kirche war der Platz der Fleischer.

     Ausflugsmöglichkeiten

     Umgebung von Lyck

     Um Lyck herum erstreckt sich die Lycker Ebene - Równina Elcka, ein flaches Grundmoränengebiet mit teils fruchtbaren Lehmböden, teils aber auch mit sandigem Lehm. Wegen der uneinheitlichen und durchmischten Bodenqualitäten sprach man auch von den “Kattunböden”. Es gibt große Wälder, z. B. den Lycker Forst - Lasy Baranskie, sowie einige Seen, deren größter mit 13,6 qkm der Laschmiedensee - poln.  Lasmiady ist. In einigen Vertiefungen trifft man auf Torfmoore. Ausflug nach Thurowen Ein besonderes Erlebnis stellt die Fahrt mit der Kleinbahn von Lyck nach Turowo - Auersberg dar, der Strecke der ehemaligen Lycker Kleinbahn AG von 1914. Für die 36 km lange Strecke mit 12 Haltestationen benötigt man ca. 2 Stunden. Man startet dafür links neben dem Hauptbahnhof in Elk-Waskotorowa - durch einen Fußgängertunnel erreichbar. Der Name des Ortes Turowo - Thurowen/Auersberg leitet sich von dem Auerochsen oder Ur ( = Thur) ab. Der letzte dieser Gattung war allerdings bereits 1627 bei Lublin verendet. Zur Ordenszeit galt er noch als besonders edles Wild und seine Haut war sehr begehrtDampferfahrtenDer Lycksee - poln. Elckie, der mit 57 m Tiefe zu den tieferen, mit seiner Fläche von 4 qkm aber zu den kleineren Seen Ostpreußens gehört, bietet die Möglichkeit für Schiffsausflüge.

[Ostpreußen] [Geschichtliches] [Kreis Lyck] [Stadt Lyck] [Melodien] [Sonstiges]